Wer ein verkehrtes Herz hat, findet kein Glück, und wer sich verstellt mit seiner Zunge, stürzt ins Unglück. (Sprüche 17,20 nach der Zürcher).

Nur wer er selbst ist, wird glücklich. Wer ein verkehrtes Herz hat und in Lüge lebt, wird kein Glück finden. Im Gegenteil, er wird sich zunehmend in seinen Lügen verstricken und in ihnen untergehen.

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Wer die Verfehlung liebt, liebt den Streit, wer seine Tür zu hoch macht, führt den Einsturz herbei (Sprüche 17,19 nach der Zürcher).

Leider herrscht keine Einheit darüber, was es bedeutet, „seine Tür hoch zu machen“. Die Stelle kann wörtlich verstanden werden, dann geht es um Abweisung: Die Tür ist so hoch, dass sie keinen Einlass gestattet. Oder es kann sich um eine Metapher für hochmütiges Reden handelt. Da ich selber an dieser Stelle sehr unsicher bin, enthalte ich mich einer Meinung.

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Ein Mensch ohne Verstand verpflichtet sich durch Handschlag und leistet Bürgschaft bei seinem Nächsten. (Sprüche 17,18 nach der Zürcher)

Das Thema Bürgschaft wird noch anderen Stellen in den Sprüchen aufgegriffen (z.B. 11,15 | 17,18 | 22,26-27). Der Autor wird an allen Stellen richtiggehend eindringlich um den Weisheitsschüler davor zu warnen, Bürgschaften zu übernehmen. Man sollte alles tun, um von dem gegebenen Wort frei zu werden. Selbst, wenn es bedeutet, sich zu demütigen und zu bitten, aus dem Vertrag aussteigen zu dürfen.
Der Grund für diese Haltung ist, dass man mit einer Bürgschaft die Sorge sein eigenes Geschick aus der Hand gibt. Auf einmal ist man davon abhängig, was ein anderer tut. Wenn Du für einen Freund bei der Bank bürgst, wird im Schadensfall bei Dir gepfändet, wenn Dein Freund nicht zahlen kann. So etwas sollte man sich gut überlegen.
Es ist wichtig zu bemerken, wie wichtig in der damaligen Zeit das Wort genommen wurde. Verträge wurden nicht auf Papier mit Hilfe eines Notars geschlossen, sondern per Handschlag. Man war an sein Wort gebunden. Ein echter Weiser würde sich gar nicht erst in eine solche Situation hinein manövrieren (Sprüche 11,15).
Das Thema wird auch im Neuen Testament aufgegriffen. „Leg niemandem vorschnell die Hände auf! Lass dich nicht in anderer Leute Verfehlungen hineinziehen; achte darauf, lauter zu bleiben“ (1.Timotheus 5,22). Der Zusammenhang ist, dass man niemanden zu schnell in Leitungsaufgaben einsetzen sollte. Man wird in die Verfehlungen anderer hineingezogen, wenn man sich hinter sie stellt und so für sie bürgt.

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Eine erfreuliche Zufallsentdeckung als ich eigentlich etwas recherchierte:

‎“Ich habe nur immer Angst davor, dass ich aus lauter Angst vor der Meinung anderer Menschen nicht weitergehe, sondern stecken bleibe.“ (Dietrich Bonhoeffer an seinen Bruder Karl-Friedrich, London 14.01.1935)

Da bin ich ja in guter Gesellschaft. Schön zu lesen, dass man trotz solcher Ängste treu bis in den Tod sein kann. Der Brief stammt aus der Zeit nach dem Amerikaaufenthalt in dem sich Bonhoeffer „vom Theologen zum Christen“ (Bethge) entwickelte. Umso beeindruckender, denn offenbar geht es darum, zu neuen, unpopulären Ansichten zu stehen. Karl-Friedrich war Physiker und hatte schon mit Einstein gearbeitet, sicherlich konnte er vieles nicht ganz nachempfinden, was der „neue“ Dietrich glaubte und vertrat.

Ein Freund ist jederzeit liebevoll, und für die Bedrängnis wird ein Bruder geboren Sprüche 17,17 nach der Zürcher).

Die schönste moderne Paraphrase dieses Spruches ist das Englische „a friend in need is a friend indeed“. Ein Freund in der Not ist wirklich ein Freund. Erst in der Bedrängnis zeigt sich, ob ein Freund wirklich einer ist oder ob man nur ein Stück Wegs gemeinsam zurückgelegt hat.

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Was nützt das Geld in der Hand des Dummen? Kann er Weisheit kaufen, wenn er keinen Verstand hat? (Sprüche 17,16 nach der Zürcher).

In den Sprüchen schneidet das Geld im Vergleich mit der Weisheit immer wieder schlecht ab. An kaum einer anderen Stelle zeigt sich so klar, wie sich (göttliche) Weisheit von menschlicher Weisheit unterscheidet. Während Reichtum für Menschen etwas erstrebenswertes darstellt, bedeutet er in der Erziehung zur Weisheit eher einen Nachteil als einen Vorteil.
Geld nutzt dem Dummen gar nichts. Das, worum es geht, kann es nicht kaufen. Kein Mensch wird durch Reichtum weiser, was auch bedeutet, dass der Dumme mit all seinem Besitz nichts anzufangen weiß. Er kann sein Geld durchbringen, eine Menge Spaß damit haben, aber letztlich bringt es ihm doch nichts. Am Ende seines Geldes bleibt der Dumme immer der Dumme.

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Wer Frevler freispricht und wer Gerechte für schuldig erklärt – beide verabscheut der HERR (Sprüche 17,15 nach der Zürcher).

Nicht jeder Vers der Proverbien ist direkt an Gott gebunden. Auch wenn Gott als Quelle der Weisheit stets im Hintergrund des Buches gedacht werden muss, wird er namentlich nicht immer erwähnt. Umso bemerkenswerter, wenn etwas direkt auf ihn bezogen wird.
Der Gott des Alten Testamentes ist ein Gott des Rechtes. Er steht zu seinem Bund mit Israel und tritt für Schwache und Entrechtete ein. Er steht auf der Seite derer, die ihr Recht nicht in dieser Welt einklagen können. Es ist interessant, wie stark das Recht des Alten Testamentes eigentlich Gottes Recht ist. Mose gab das Volk das Gesetz, aber wer gab es Mose? Die Geschichte der Zehn Gebote zeigt deutlich die wahre Herkunft des mosaischen Gesetzes nicht als innerweltlich, sondern als transzendent.
Diese Beobachtung ist auch für uns Heutige bedeutsam, die wir es schwer haben, ein verbindliche Ethik zu erkennen oder menschliche Rechtsprechung zu legitimieren. Die philosophischen Diskussionen um ethische Fragen zeigen, dass es nicht möglich ist, Ansprüche an das menschliche Leben innerweltlich zu begründen. Der alte Begriff des Naturrechtes zieht in modernen Betrachtungen immer weniger. Wir können uns nicht selber einen Kodex geben. Etwas, das größer ist als wir, muss zum Garanten Spender von Recht und Moral werden. Dieses größere können Ideen sein, wie die Vision des vollkommenen Staates oder der demokratischen Grundordnung. Letztlich sind aber auch das Ideen, die von uns kommen. Als letzte Instanz kommt nach Abzug aller Faktoren nur Gott in Frage.

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Wer Streit anfängt, entfesselt eine Wasserflut, darum lass ab vom Streit, bevor er losbricht! (Sprüche 17,14 nach der Zürcher).

Ein Streit beginnt immer mit dem Trugschluss, dass man ihn kontrollieren könne. Niemand würde anfangen sich zu streiten, wenn er nicht glaubte, gewinnen zu können. Tatsächlich stehen die Dinge anders, als man im Leichtsinn denkt. Der Streit ist eine Urgewalt, eine Kraft, die niemand zu kontrollieren vermag. Man bekommt stets mehr als man bestellt hat und am Ende steht man einer Macht gegenüber, die man nicht mehr zähmen kann. Die Wasserflut reißt alles mit sich fort.
Es gut, daran zu denken, bevor man sich aufmacht zu streiten. Nachher ist es zu spät und was einmal gesagt ist, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

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Wenn einer Gutes mit Bösem vergilt, weicht das Unglück nicht von seinem Haus (Sprüche 17,13 nach der Zürcher).

Gutes mit Bösem zu vergelten ist eine schlimme Sache. Es bedeutet jemand anderem Unrecht zu tun, einen Menschen verraten, der einem geholfen hat, einem Wohltäter in den Rücken zu fallen. So etwas trägt die Strafe bereits in sich; es spricht sich herum und ein schlechter Ruf zieht Ärger an, wo man geht und steht. Auf einmal setzt sich niemand mehr für einen solchen Menschen mehr ein, keiner leiht ihm Geld oder steht ihm in der Not dabei.
Vielleicht meint der Spruch auch ein übernatürliches Unglück. Aber auch ohne dieses sind die normalen, innerweltlichen Konsequenzen eines solchen Handelns schon ausreichend Motivation um sich anders zu verhalten.

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Lieber einer Bärin begegnen, der man die Jungen geraubt hat, als einem Dummen in seiner Torheit (Sprüche 17,12 nach der Zürcher).

Eine Bärin, die ihr Junges verloren hat, ist ein furchterregender Anblick. Selbst für einen bewaffneten Menschen ist ein Bär ein ernstzunehmender Gegner, besonders wenn er nur antike Waffen wie Speer, Pfeil und Schwert hat. Jeder kann sich leicht vorstellen, dass man einem solchen Tier besser aus dem Weg geht. Dennoch gibt es etwas gefährlicheres als die Gefahren der Natur.
In seinem „Lied von der Glocke“ hat Friedrich Schiller diesen Spruch (wissentlich oder unwissentlich) verarbeitet. Der Vers ist berühmt: „Gefährlich ist‘s, den Leu zu wecken, verderblich ist des Tigers Zahn, jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn.“
Gemeint ist, dass kein Schrecken der Natur es mit dem Menschen aufnehmen kann, den keine Vernunft oder Moral mehr in den Schranken hält. Nichts hält unseren Willen zur Zerstörung auf, wenn er einmal entfesselt ist. Wir haben nichts mehr zu fürchten als uns selbst und unserergleichen.

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