ACHTUNG: langer und harter post. nix für schwache nerven!
fonts für diesen artikel

Ich sitze schon fast den ganzen tag an einer auslegung eines meiner lieblingsprediger. es geht um markus 9,29 (par. matthäus 17,21): „Diese Art kann durch nichts ausfahren, außer durch Beten und Fasten.“ seiner auslegung nach spricht jesus nicht über verschiedene arten von dämonen sondern über verschiedene arten von unglauben (von denen er im folgenden drei arten identifiziert). das fusst er auf lukas 9,20: „Matthäus 17,20 Er aber spricht zu ihnen: Wegen eures Unglaubens; denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berge sagen: Werde versetzt von hier dorthin! und er wird versetzt werden; und nichts wird euch unmöglich sein.“ (alte elberfelder)
und jetzt wird es richtig kompliziert:

1. die textgestalt ist hochgradig unklar:

1.1. unglaube oder kleinglaube?
mat 17,20 spricht nicht von unglauben (avpisti,an) sondern von kleinglauben (ovligopisti,an ). tatsächlich ist es schwer, eine deutsche übersetzung zu finden, die „unglaube“ übersetzt. seine king james sagt aber „unbelief“ und das ist für seine weiteren ausführungen wichtig. er unterscheidet „unglaube“ und „kleinglaube“ und sagt, dass es nicht ein problem von zu kleinem glauben war, dass die jünger den dämon nicht austreiben konnten, sondern von „unbelief“. im licht von mat. 17,20 (glaube wie ein senfkorn) scheint das auch sinn zu machen. nun gibt es lesarten wie den mehrheitstext, die avpisti,an unterstützen. nestle-aland (NA)erwähnt diese (C, D, L und W) nimmt sie aber nicht in den text auf. offenbar sind es fragmente aus dem 5.-6. jahrhundert. möglicherweise verwendet die kjv diese lesarten bei ihrer übersetzung. tatsache ist, dass es sonst die einzige stelle im nt wäre, an der die kjv ovligopisti,an mit „unbelief“ übersetzen würde.
daraus ergibt sich die erste frage: „kann man bei guter exegese eine these auf einer so unsicheren stelle aufbauen? schliesslich geht es hier um eine abgrenzung von ovligopisti,an und avpisti,an auf der ein ganzes lehrgebäude steht.“

1.2. es ist zweifelhaft, ob beide verse zusammenstehen.
markus 9 berichtet nichts über den unglauben. der steht nur in matthäus 17,20. matthäus 17,21 wiederum ist eine ungeklärt bibelstelle. also eine der ganz wenigen im nt, die nicht in allen übersetzungen stehen, weil nur sehr junge textzeugen sie drin haben. in der kjv steht sie, in den meisten deutschen nicht.
also ergibt sich ein weiteres problem: markus 9 sagt: „diese art fährt nur durch beten aus“, stellt aber keine stelle mit unglauben voran. da kann man dann schlecht rauslesen, dass jesus eine art von unglauben meint, die ausfahren soll. mattäus 17 spricht zwar vom unglauben, nicht aber von ausfahren.
frage: „darf man in diesem fall „synoptisch“ auslegen, die geschichten zusammen setzen und auslegen, dass eine aunglaubensart ausfahren soll?“
philologisch ist das zweifelhaft, aber wir glauben ja, dass die bibel gottes wort ist und so können sich stellen gegenseitig ergänzen und erklären. also wäre es unter umständen okay, so auszulegen. die auslegung wäre ja durch matthäus gestützt, wenn wir die zweifelhafte stelle reinnehmen.

1.3. fasten oder nicht?
markus 9,29 spricht definitiv vom beten. aber das fasten ist unsicher. NA hat es nicht drin, es fehlt in den codices vaticanus und sinaiticus. also wohl besser ohne „fasten“. dafür spricht auch, dass die jünger nach markus 2,18-22 offenbar nicht gefastet haben.

2. die worte
2.1. welche „art“ wer fährt denn nun aus?
ausfahren ist hier das schöne wort evxe,rcomai. das kann so ziemlich alles bedeuten, was mit rausgehen, verlassen, rausgeworfen werden usw, zu tun hat. unklar scheint zu sein, was raus muss. meine griechischkenntnisse versagen hier, aber fritz rienecker macht es in der „wuppertaler studienbibel“ klar, dass sich „diese art“ nicht zwingend auf die dämonen beziehen muss: „Offenbleiben muß bei diesem Wort auch, ob mit der „Art“, die ausfahren soll, die unheilvollen Dämonen gemeint sind oder die menschliche Art der Jünger, die sich ohnmächtig, glaubensschwach und glaubenslos zum Helfen unfähig erwiesen haben.“
das beruhigt, denn mir kam es immer recht metaphysisch vor, dämonen in arten und typen zu kategorisieren. meiner ansicht nach gibt es keine besonderen dämonen und wer sich gegen den namen jesu behaupten kann, den kann man auch nicht rausfasten… aber die art auf die art und weise der jünger zu beziehen finde ich auch sehr frei interpretiert. am besten gefällt es mir, das auf den unglauben zu beziehen, wenn man synoptisch exegetisieren darf.

2.2. wo ist der unterschied?
gibt es einen wesentlichen unterschied zwischen unglaube und kleinglaube? beides sind arten von pisti,a und als solche eng wesensverwandt. ich bin unsicher, ob man da solche unterschiede rauslesen kann.

meine fragen sind:
1. wenn im zweifel, welchen grundtext nehme ich? ich bevorzugte immer nestle-aland. aber warum entscheiden sich dann renommierte übersetzungen anders?
2. gibt es quellen, die offenlegen, warum sich übersetzer für oder gegen eine bestimmte lesart/übersetzungsmöglichkeit entscheiden?
3. ist es legitim, theologie auf „aussenseiterlesarten“ aufzubauen?
4. darf man „synoptisch“ auslegen?
5. wie sicher ist es, theologie auf dem verständnis eines bestimmten griechischen wortes aufzubauen?

bei allem finde ich die auslegung sehr gut. ich denke, dass es stimmt, dass der glaube der jünger gross genug ist und dass es letzten endes das problem war, dass sie ab einem bestimmten punkt mehr auf die umstände (epilleptischer anfall) als auf gott geschaut haben. ich denke auch, dass man dieses problem durch „hingabe“ in gebet und evtl. fasten in den griff bekommt. ich bin nur unsicher, ob die exegese exakt ist und der griechische text diese übersetzungsmöglichkeit zulässt.

bin für alle hinweise dankbar. wenn was unklar ist, schreibt einfach einen comment.

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CD im Player:
– jean sibelius: symphonie nr. 4

Bücher neben dem Sessel:
– kommentare und bibeln…

manche posts enthalten neben den „normalen“ schriftzeichen auch griechische worte. um diese vernünftig darzustellen braucht ihr die fonts aus der bibleworksfamilie. die gibt es für windows und mac auf der seite von BibleWorks.

ohne die entsprechenden fonts sieht es ungefähr so aus: „hJ jAgorav“.

falls ihr auch griechische, kyrillische oder sonstwelche fonts nutzen wollt, so geht es: in der vorlage eures blogs in das css folgende erweiterung eingeben:
.greek {font-family: Bwgrkl}
später in den posts wird die formatierung mit diesem tag aufgerufen:
<span class=“greek“>TEXT, DER GRIECHISCH ERSCHEINEN SOLL </span>

dann sieht jeder mit den entsprechenden fonts den text griechisch.

um die lesbarkeit zu verbessern habe ich den style jetzt grösser und weiss gemacht. in css sieht das so aus:
.greek {
font-family: Bwgrkl;
font-size: large;
color:white
}

ich las eine interessante definition von exegese: „der inhalt ist des originals ist zu erschliessen, aus der originalsprachlichen form, verpackung herauszulösen, >>auszupacken< < (dies nennt man >>exegese< <)." heinrich von siebenthal, der ganze artikel ist als link in meinem letzten post zu finden. nach dieser definition besteht ein unterschied zwischen der form (worten, sätzen, metaphern etc.) der bibel und dem inhalt (erlösungsgeschichte etc.). das ist eigentlich klar, sollte es zumindest. wer exegese betreibt, der weiss um diesen unterschied. allein, dass es exegese gibt, weisst darauf hin, dass form und inhalt unterschieden werden müssen.
eine kernfrage lautet nun: „was ist gottes wort?“ ist es der inhalt der bibel oder die form oder beides? da gibt es zwei antwortmöglichkeiten, die man beide in der praxis findet:

1. form und inhalt sind gottes wort
anhänger dieser tradition halten die form der bibel hoch. in übersetzungen ist es wichtig, die sprachgestalt nach möglichkeit zu erhalten. die bibel gilt als „verbalinspiriert“, durch göttliches diktat eingegeben und ist deshalb nicht interpretierungsbedürftig sondern 1:1 umzusetzen.
meiner beobachtung nach wird dieser ansatz nirgendwo bis in die letzte konsequenz verfolgt. konsequent wäre, die bibel nur in den originalsprachen zu lesen (wie es die moslems mit dem koran halten) und auch offensichtlich unsinnige anweisungen zu befolgen (z.b. 2.Tim 4,13). aber im grunde unserer nicht immer aufrichtigen herzen wissen wir alle, dass es ok ist, übersetzungen zu verwenden und dass man die bibel schlicht nihct wörtlich nehmen kann.

2. der inhalt ist gottes wort
anhänger dieser schule sehen die bibel als gottes wort, das an menschen einer bestimmten zeit und sprache gegeben wurde. ihnen geht es darum, den sinn hinter den worten zu verstehen, dass zeitlose in zeitlicher sprache. der inspirationsprozess ist nicht ganz so wichtig, denn es kommt nicht in erster linie auf den genauen wortlaut an sondern auf das, was gott und heute durch sein wort sagen will. selbstverständlich ist die bibel gottes wort, aber sie kann nicht wörtlich gelebt werden sondern ist auslegungsbedürftig.

in der zweiten anschauungsweise sind exegese und hermeneutik sehr wichtig. weniger wichtig ist, dass in übersetzungen die originale sprachgestalt intakt bleibt. hauptsache der inhalt kommt rüber.

ich bin deutlich auf der seite der zweiten schule. dennoch lerne ich eifrig griechisch und lese elberfelder. zum studium erscheint mir das besser geeignet. aber generell lege ich mehr wert auf den inhalt als auf die form. für mich ist gottes wort nicht eine ansammlung von buchstaben, sondern der geist, der darin zum vorschein kommt. jesus sagt selber: „Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.“ (johannes 6,63)
deshalb denke ich, dass es okay ist, den inhalt aus der form zu lösen und in eine neue form zu packen, die sich unter umständen sehr von der griechischen und hebräischen originalform unterscheidet. damit stelle ich mich auf die seite freier übersetzungen und übertragungen. ich würde diese (HfA, GN, Volxbibel) nihct als einzige bibel verwenden, bin aber froh, dass es sie gibt.

ich sehe die bibel immer von der offenbarungsseite. als gott mose gezeigt hat wie er die welt geschaffen hat musste er es einem menschen mit recht schlichtem weltbild in einer sehr einfachen sprache zeigen. ich bin völlig überzeugt, dass die ersten bibelkapitel anders ausshen würden, wenn gott heute stephen hawking die schöpfung in englisch erklären würde. dennoch wäre der inhalt gleich. das ewige der bibel ist ihr inhalt die form in die er gegossen wurde.

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CD im Player:
– antidemon: demonicidio

Bücher neben dem Sessel:
– bücher? wer kommt heutzutage noch zum lesen?
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[neu veröffentlicht am 10.09.06 auf Hasos Tafel]

in der volxbibel-diskussion habe ich mit interesse eine randbemerkung wahrgenommen, die immer wieder kam: es gibt einen heiligen deutschen grundtext: die ELBERFELDER. diese gilt es mit entschiedenheit gegen „verbale verballhornungen“ nach art der HfA, NGÜ, Luther, GN usw. zu schützen. (ja nach posting kann man *jede* andere übersetzung als verballhornung ansehen, aber bei HfA und GN ist man sich einig). ich dachte immer, dass würde die deutsche theologie von der amerikanischen trennen, dass man drüben einen englischen grundtext hat (king james) und wir einen griechischen (nestle aland), bzw. hebräischen (biblia hebraica stuttgartensia), na ja, ist nicht so….

darauf hin habe ich meine anderen bibeln im regal umgedreht und mich wieder der elberfelder zugewandt. und was finde ich? s p r a c h v e r f a l l noch schlimmer: s i t t e n v e r f a l l und obszönitäten und das genaue gegenteil: p r ü d e r i e, wo die bibel eine klare sprache spricht.

einige beispiele:

– Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesum (sic!) allein. (math. 17,8) – dieser verballhornte akkusativ taucht 108mal auf. richtiger akkusativ von jesus ist „jesus“.

– Und siehe, die ganze Stadt ging hinaus, Jesu (sic!) entgegen, (math. 8,34). der korrekte dativ ist natürlich „jesus“. diese unform haben wir 211mal im NT.
manchmal scheint es, dass die elberfelder sich an der griechischen grammatik orientiert. manchmal weiss ich auch nicht, wo diese formen herkommen.

– Mein kleiner Finger ist dicker als die Lenden meines Vaters! (1.könige 12,10). autsch, sind „lenden“ wirklich die „reproductive organs“, als die mein wörterbuch sie bezeichnet?

– immerhin ergeht es den frauen in der elberfelder noch nach „ihrer weise“ (gen 31,35). in schmuddelübersetzungen wie der HfA haben sie schon ihre tage. ich fürchte, dass die moderneren übersetzungen damit näher an dem sind, was der urtext sagen wollte. körperliches so zu umschreiben, dass man nicht mehr versteht was gemeint war, ist unnötige prüderie. immerhin steht es ja in der bibel. das ist verballhornung, der text der bibel ist den übersetzern nicht heilig genug um klar zu übersetzen!

– So tue Gott den Feinden Davids, und so füge er hinzu, wenn ich von allem, was ihm gehört, bis zum Morgen einen übriglasse, der männlich (sic!) ist! – 1.samuel 25,22 in elberfelderdeutsch.
dieselbe stelle viel genauer übersetzt in der schlachter: Gott tue solches und noch mehr den Feinden Davids, wenn ich von allem, was dieser hat bis zum hellen Morgen auch nur einen übriglasse, der an die Wand pißt. ähnlich: 1. Samuel 25:22, 34; 1. Könige 14:10; 16:11; 21:21; 2. Könige 9:8

– Du hurtest mit den Söhnen Ägyptens, deinen Nachbarn, die groß an Fleisch(sic!) sind; und du mehrtest deine Hurerei, um mich zu reizen. Hesekiel 16,26). wie unkompliziert und ehrlich übersetzt hier die einheitsübersetzung: Du hast dich den Ägyptern, deinen Nachbarn mit dem großen Glied

im grunde ist die bibel voll von sachen, die man als peinlich betrachten kann und die ganz schön offen beschrieben sind. da tut man sich keinen gefallen, das, was das wort offen nennt mit einem verschämten mäntelchen zu bedecken. miteinander schlafen als „beieinander liegen“ zu übersetzen (oder verbrämen?) verstellt nur den sinn. homosexuelle in verschiedenen revisionen als „lustknaben“ (sic!) oder „weichlinge“ (doppel-sic!) zu übersetzen ist einfach lächerlich. da wird der sprache ihr ur-sinn genommen, nämlich verständlich zu sein und eine brücke zwischen den zeiten und menschen zu bauen. da lobe ich mir die modernen übersetzungen!

lustich ist in diesem zusammenhang natürlich noch die überschrift zu hesekiel 23. die klingt dann wieder sehr freizügig wie der titel eines pornofilms: „die beiden unzüchtigen schwestern ohola und oholiba“.

natürlich gibt es noch tausend beispiele dafür, wie die elberfelder durch verdrehte grammatik den sinn verstellt und die sprache nagativ entwickelt. auch dafür, wie sie durch verschämte übersetzung den leser im unklaren lässt. aber mir geht es nicht darum die elbi schlecht zu machen sondern nur darum zu zeigen, dass sie auch nicht das reine und beste deutsch spricht und sich nihct immer für die beste übersetzungsmöglichkeit entscheidet.

für die, die es immer noch nicht kapiert haben: klar benutze ich in diesem artikel gelegentlich ein bischen ironie. tatsächlich habe ich die elberfelder komplett gelesen, das nt sogar einige male. derzeit lese ich jeden tag elberfelder. worum es mir geht ist nur zu zeigen, dass es keinen hl. deutschen grundtext gibt. die elbi ist nicht schlecht, aber sie ist nur ein buch. eine bibelübersetzung unter vielen, durch die jesus genauso spricht wie durch andere.

rock’n’roll….

PS: lewis hat mich in den comments zu diesem artikel auf ein interessantes .pdf von heinrich von siebentahl (fta) aufmerksam gemacht. es geht um bibelübersetzung und -übersetzungen und lohnt es m.e. das lesen. jedenfalls hatte ich ein angenehmes mittagessen damit. hier kann man es runterladen.
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CD im Player:
– paradise lost: gothic

hi freunde,

ich sitze hier an meinem viel zu langsamen rechner und setze die „prinzessin auf der kanzel“. dabei fällt mir immer wieder auf, dass ich kein setzer bin! ich arbeite mit adobes schönem indesign, legal bei ebay erworben und merke, dass ich selbst mit einem professionellen programm nur homeuser-ergebnisse erziele. das stört mich und vor allem den perfektionisten in mir.

gibt es irgendwen da draussen, der sich gut mit DTP auskennt und bock darauf hätte hin und wieder mal ein paar stunden ehrenamtlich für einen guten zweck zu arbeiten? dann hinterlass mir bitte einen comment.
ausserdem suchen wir ständig lektorInnen. wir produzieren viel text und alle enthalten ein gerüttelt mass an fehlern. besonders im bereich der zeichensetzung.

segen euch allen!
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CD im Player:
– irgendeine lounge-cd, die ich von ferry habe. seltsamerweise finde ich sie nicht sooo schlecht – man wird alt…

Bücher neben dem Sessel:
– storch: die prinzessin auf der kanzel
– walt disney: lustiges taschenbuch

das wort übersetzen ist ein schönes wortbild. ich weiss nicht, ob es sich wirklich so ableitet (bin zu faul, im herkunftsduden nachzuschauen), aber ich könnte mir vorstellen, dass es von „über setzen“ kommt. also davon, dass ein boot passagiere von einem ufer zum anderen bringt.
ich mag das bild: eine gruppe von leuten hat einen inhalt der in sprache gepackt ist. eine andere gruppe von leuten lebt woanders, die gruppen können geographisch oder nur sprachlich, in manchen fällen auch zeitlich so weit voneinander entfernt sein, dass der inhalt für die andere gruppe nicht verstehbar ist. eine gute übersetzung ist der nachen, der den inhalt von einer gruppe zur anderen über den kommunikationsgraben „über setzt“.

in der christlichen szene haben wir es mehr und mehr nötig, dass unser inhalt von unserer insel der sprachlosigkeit an die ufer der „welt“ „über gesetzt“ wird. es ist seltsam, wie sehr wir auf unserer insel festhängen und mit uns unsere botschaft. hier wird übersetzungsarbeit nötig sein, damit das evangelium wieder anschlussfähig kommuniziert wird. die botschaft ist ja phantastisch. dass sie nicht unters volk kommt liegt nicht daran, dass evangelium schlecht ist. es liegt daran, dass es auf der insel der sprachlosigkeit festhängt…

übrigens heisse ich alle remscheider, die meinen blog gefunden haben herzlich willkommen: macht es euch gemütlich, trinkt einen kaffee, fühlt euch wie zuhause und hinterlasst einen comment.

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CD im Player:
– new model army: „impurity“

Bücher neben dem Sessel:
– predigerseminarmappe. gleich geht es hier weiter mit dem aufbau von predigten und morgen predigtvorbereitung.

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[neu veröffentlicht: 12.09.06 auf Hasos Blog]

ich stelle immer wieder fest, dass mir die dunkle seite der poesie näher steht als die fröhliche. vielleicht eignen sich verse mehr für das melancholische? ich glaube, ich werde mal kenyons liebes-poesie lesen; das ändert dann alles – bestimmt!

There’s something quieter than sleep
Within this inner room!
It wears a sprig upon its breast —
And will not tell its name.

Some touch it, and some kiss it —
Some chafe its idle hand —
It has a simple gravity
I do not understand!

I would not weep if I were they —
How rude in one to sob!
Might scare the quiet fairy
Back to her native wood!

While simple-hearted neighbors
Chat of the „Early dead“ —
We — prone to periphrasis
Remark that Birds have fled!

.:|Alle Gedichte von Emily Dickinson im Internet|:.

Im Zusammenhang mit meinen Heilungsmeditationen bin ich an folgender Stelle hängengeblieben:

Der Älteste dem geliebten Gajus, den ich liebe in der Wahrheit. Geliebter, ich wünsche, daß es dir in allem wohlgeht und du gesund bist, wie es deiner Seele wohlgeht. (3.johannes 1-2)

Die Frage, die mich bewegt hat ist: „kann ich das, was Johannes seinem Freund schreibt wirklich auch für mich und meine Zeitgenossen (von denen keiner Gajus heisst) anwenden?“ Mittlerweile denke ich: ja. Es gibt ein paar Stellen im NT in denen es klarer wird als in anderen, dass die Bibel in der Inspiration des Geistes von Menschen für Menschen geschrieben wurde. Eine andere ist z.B. Kolosser 4,17: Sagt dem Archippus: Achte darauf, daß du den Dienst erfüllst, den du im Auftrag des Herrn übernommen hast. Der punkt ist, dass zunächst einmal alle Bücher der Bibel von einem Menschen für andere Menschen geschrieben wurden. Wenn Paulus an die Galater schreibt ist ja auch klar, dass die Empfänger, an die sich der Brief richtete, erst einmal nicht Klaus-Bärbel von heute ist.

Der eigentliche Urheber der Bibel ist Gott und dieser spricht durch den Mund/die Feder eines Autors mehr Menschen an, als dieser dachte. Vielleicht kann man sich die Bibel an Stellen wie 3.Johannes 2 wie einen offenen Brief vorstellen, der nur vordergründig an einen bestimmten Menschen oder eine bestimmte Gruppe gerichtet ist, aber eigentlich allen etwas zeigen soll.
So betrachtet stimmt es: Gott will, dass wir (Du, ich und alle anderen) gesund sind und dass es uns gut geht.

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volxbibellinks:
river of god (mit brief an brockhaus)
hufi (jetzt mit link)
5drei1 hat einiges interessantes zum thema
saftladen

was vergessen? leave a comment, please!

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CD im Player:
– red hot chilli peppers: californication

Bücher neben dem Sessel:
– später….

in diesem internet wird ja immer sehr viel über strukturmodelle geredet und das ist ein thema, das mich persönlich sehr interessiert. speziell die frage, ob es wirklich in der praxis möglich ist, von top-down-modellen zu bottom-up-modellen zu kommen. ich bin selber mit dem thema alles andere als durch, aber ich sehe für uns als bewegung möglichkeiten strukturell umzudenken und so vielleicht mehr zu einer wirklcihen bewegung zu werden; wegzukommen von der denomination. aber auch für gemeinden kann es sehr viel dynamik bedeuten fortzukommen von einer rein hierarchischen top-down-leitungskultur.

ich könnte mir vorstellen, dass leitung nach art von webforen funktionieren könnte. sicherlich nicht für die ganze gemeinde, aber für bestimmte bereiche, die sich selbst organisieren können.
manche foren im web sind sehr lebendig, es gibt rege diskussionen und einen vorbildlichen austausch an wissen und meinungen. auf den ersten blick sieht es so aus, als ob das einfach so entstehen würde und als wäre es entweder da oder eben nihct. da ich selber ein forum betreibe, weiss ich dass der erste eindruck täuscht: die qualität eines forums ist ganz stark abhängig davon, dass der administrator einen guten job macht. speziell hat ein admin drei möglichkeiten ein forum zu steuern:

1. er kann neue threads eröffnen
manche foren funktionieren so, dass nur der admin neue bereiche eröffnen kann, in anderen kann sogar nur der admin neue themen eröffnen. das gibt ihm einen gewissen einfluss darauf, welche diskussionen im forum laufen. noch stärker tritt dieser aspekt beim bloggen zutage, wo nur der blogger das thema vorgibt.

analog dazu kann der gemeindeleiter-admin neue dienste ins leben rufen. wiederum gibt es gemeindeleitungen, die ein monopol darauf haben, dienste zu gründen. kein anderer dürfte das. ich weiss nicht, ob so ein ansatz in der praxis überleben kann. vermutlich gibt es immer eine gewisse selbstorganisation: hauskreise die einfach ungefragt entstehen, leute, die sich zum beten treffen etc.
aber in jedem fall ist es ein mächtiges leitungsinstrument, dienste starten zu können, denn so kann das gesicht der gemeinde verändert werden.

2.er kann threads am leben halten
gute foren zeichnen sich meistens durch motivierte admins aus. sie geben immer wiederinformationen und thesen in diskussionen und halten diese so am leben. in grossen foren wird diese aufgabe oft übertragen an „moderatoren“, die ein bestimmtes oberthema betreuen. nichts ist langweiliger als ein forum, in dem keiner postet. deshalb posten moderatoren immer in jedem thread und halten die diskussion am kochen. das ist eine leitungsaufgabe, die man nur bei näherem hinsehen identifizieren kann. es ist keine sooo offensichtliche leitung, aber es ist leitung.

analog dazu wird der admin-leiter sich mit den gruppen der gemeinde treffen und immer wieder ein paar bit an steuerenergie einbringen um die dinge am laufen zu halten. von alleine wird das auf dauer nicht gehen, es braucht einen motivator, jemanden der inspiriert und die mitarbeiter voranbringt. dazu muss er nicht selber teil der gruppe sein. es reicht, wenn er eine art „supervisor“ ist.

3. er kann benutzer bannen und threads schliessen
bei allem chaos, das das netz der netze so interessant macht, gibt es doch die möglichkeit zu reglementieren. jedes forum hat leute, die einfach nur rumspammen und allen auf die nerven gehen. hier ist der moderator derjenige, der die unangenehme aufgabe hat, leute rauszuschmeissen, manchmal beiträge zu löschen oder themen einzustellen. das ist in der praxis als „zensur“ sehr unbeliebt, aber wichtig um ein forum lebendig zu halten. wenn foren völlig zugemüllt werden, will am ende keiner mehr posten.

analog dazu hat der admin-leiter das recht, gemeindezucht auszuüben. er kann dienste einstellen und in extremsituationen sogar leute rauswerfen. natürlich will das keiner, aber es kann vorkommen, dass man es tun muss um die gemeinde vor schaden zu bewahren.

im idealfall laufen diskussionen genauso wie gemeindedienste ohne grössere einmischung des administrators. er leitet im hintergrund, ist immer bereit einzugreifen und zu steuern, hält sich aber idealerweise zurück. jeder kann mitmachen; „selbstorganisation“ und „allgemeines priesterum aller gläubigen“ sind keine fremdwörter mehr.

so verstanden hat leitung sehr viel mit kommunikation zu tun. im gegensatz zu hierarchischen top-down-strukturen, in denen durch die autorität des amtes geleitet wird, wird durch information geleitet. ausser im extremfall (3.) ist es eine eher weiche leitung.

administratorINNEN?
wir machen uns bei JFI und FBI derzeit viele gedanken darüber, wie sich wohl (wenn überhaupt) männliche und weibliche führungsstile voneinander unterscheiden. die frage ist: „leiten frauen anders als männer?“ der überwiegende teil derer mit denen ich geredet habe und die meisten der 64 fragbögen zu dem thema beantworten die frage mit „ja“, es liegt also der verdacht nahe, dass die geschlechter unterschiedlich leiten.
interessanterweise sagen wiederum die meisten, dass der leitungsstil von frauen „kommunikativ“ ist, der von männern „autoritär“. hiesse das, dass leitung als administration eher eine frauensache ist? könnte man dann sagen, dass bottom-up generell eher ein frauenstil ist?
natürlich geht es mir nicht darum, radikal zu pauschalisieren. es geht nur darum, tendenzen und meinungen zu bekommen. schwarz-weiss denken ist oft gut und eine voraussetzung um nachher wieder bunt zu handeln.

irgendwelche meinungen?

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neue volxbibel-links:
– hufi (leider kein link, ich kenn den blog nicht)
– stäff auf jesusfreaksstuttgart.de
tom

martin selbst hat ein update auf seiner seite: http://martin-dreyer.blogspot.com/

noch was vergessen? hinterlass mir einfach einen comment, dann steht der link in meinem nächsten eintrag.

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CD im Player:
– irgendeine saviour machine

Bücher neben dem Sessel:
– dorle schmidt: die autopoietische Corporate Identity

am donnerstag habe ich einen kleinen videoclip zum thema „gnade“ von micha schmidt (SDG!) bekommen, den er für eine predigt gemacht hat. klar, dass ich nicht anders konnte, als ihn fritag und sonntag hinter die predigt zu hängen. es ist gar nicht so einfach, eine predigt auf ein video zuzuschneiden und ich bin nicht 100%ig sicher, ob das experiment gelungen ist. was auf jeden fall gelungen war, ist der clip! nochmal danke!!

ich mag multimedia in gottesdiensten. die frage ist nur, woher bekommt man sowas? ich kenne keinen vj. hat irgendwer einen tipp?

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neue pro-volxbibel-blogs, zum teil mit meinem statement:
onkel henni
marlin
wolf
JuGo Sinsheim
björn
mathop
maresa
Dr.Matthias

link vergessen? schreib einfach einen comment, dann ist der blog/die website in meinem nächsten post.
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CD im Player:
– nick cave: henrys dream

Bücher neben dem Sessel:
– fragebögen „frauen im gemeindedienst“

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