25. Juli 2005 11

gottes gebote halten

Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote! (Johannes 14,15 nach der Schlachterübersetzung)

dieses bibelwort hat mir jahrelang probleme bereitet. ich hatte es falsch verstanden und mich niemals richtig damit auseinander gesetzt, so dass gott es in meinem herzen auch nicht geraderücken konnte. das ist ein gutes biespiel dafür, wie wichtig es ist, dass wir im wort zuhause sind und uns immer wieder mit der bibel auseinandersetzen!
ich hatte die stelle immer als einen konjunktiv verstanden: „wenn ihr mich lieben würdet, würdet ihr meine gebote halten.“ das hiess dann für mich, dass ich jesus nicht liebe, wenn ich sündige. zuende gedacht war heiligkeit dann der gradmesser für liebe: je heiliger, desto mehr liebe ich jesus, je unheiliger, desto weniger liebe ich ihn. da ich noch nie vollkommen heilig war kam das gefühl auf, jesus nur phasenweise zu lieben. interessanterweise kann ich das jetzt kaum richtig ausdrücken…

tatsächlich ist es genau andersherum. im griechischen sieht der text so aus: VEa.n avgapa/te, me( ta.j evntola.j ta.j evma.j thrh,sete\. deutlich erkennbar ist eine präposition (wenn) und das „halten“ im futur steht. die absolut beste übersetzungsmöglichkeit ist die der revidierten elberfelder:
Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten;

so macht es sinn: heiligkeit ist kein gradmesser für liebe, sondern liebe ist der weg zur heiligkeit! halleluja! ich bin sicher, dass es keinen christen gibt, der nicht die gebote gottes erfüllen will. aber die meisten wissen nicht wie. aus einem guten wunsch wird oft die tödliche haltung der gesetzlichkeit. man verlangt sich alles ab um nihct mehr zu sündigen. dabei ist der weg ein ganz anderer: jesus lieben wird dazu führen, dass sünde unattraktiv wird und wir schliesslich wie von alleine damit aufhören.
glaubst du nicht? dann noch ein beweis dafür:

Lehrer, welches ist das größte Gebot im Gesetz ? Er aber sprach zu ihm: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.» Dies ist das größte und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.» An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. ( Matthäus 22,36-40 nach der einheitsübersetzung)
die stelle ist uns allen geläufig und sie sagt dasselbe aus wie johannes 14,15: gott zu lieben führt dazu den nächsten zu lieben (vgl.römer 13,10) und letztlich dazu, alles zu halten, was gott uns befohlen hat.

was können wir also tun um heiliger zu leben: jesus lieben.
der erste schritt wird sein, ihn immer kennezulernen. dazu gibt uns johannes im weiteren verlauf des viewrzehnten kapitels seines evangelium zwei tipps oder werkzeuge (unpassender ausdruck): das wort (14,23-24) und den geist (14,16-19). dadurch dass wir jesus lieben und in der folge seine gebote halten kommt es zu einem kreislauf: jesus lieben – gebote halten – offenbarung bekommen – jesus mehr lieben – usw. dieser kreislauf ist in johannes 14,21 beschrieben.

leider habe ich keine zeit, das kapitel ganz unter die lupe zu nehmen, aber ich garantiere euch, dass da schätze der erkenntnis drin verborgen sind. studiert es doch einfach mal weiter: johannes 14,15-26.

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11 Kommentare

  1. hi! ich hab diese und ähnliche stellen immer auch mit dem verbunden, was johannes in seinem ersten brief geschrieben hat. in diesem licht hab ich dann auch die bergpredigt verstanden: als beschreibung dessen, was herauskommt, wenn der geist mein leben erfüllt. aus der beziehung kommt die lebensgestaltung…. ebenso wie die frucht des geistes das ist, was organisch, „natürlich“, von innen heraus aus der beziehung wächst; der neue charakter, der ganz von allein im einklang mit den geboten lebt… ich kann mich über diesen zusammenhang immer wieder neu begeistern 🙂

  2. Nun ja..

    bevor jetze irgendwelche Leute sagen, „Ei! Bei den 10 geboten war das doch ganz ähnlich.. von wegen „Du sollst nicht“..es heißt doch „du wirst nicht!“ “

    folgendes schreibe ich,
    um einem eventuellen Mißverständnis der 10 Gebote des AT vorzubeugen.

    Die Ausgangslage:
    Im hebräischen Text steht nicht „Du sollst nicht“(Imperativ),
    sondern „Du wirst nicht“ (irgend ne andere verneinte Form.. hab grade vergessen, wie die nochma hieß)

    Das Problem:
    Leute, die nur ein bissl hebräisch-Ahnung haben (so dass es für wort-für-wort-ÜS ausreicht), denken jetzt,
    „Na ei! Im Osebund mit Gott heißt es also „du wirst nicht“, d.h. hier handelt es sich nicht um Gebote/Verbote sondern um Versprechungen/Verheißungen.“
    (last heard on willow freak 2004, in ner predigt von so nem Typen, der glaub ich aus karlsruhe war.. hab ihm später mal die exegetisch/syntaktischen Sachverhalte gemailt.. aber der beharrte auf seiner Ansicht..)

    VERKEHRT!

    Die Fakten:
    -die Aussage „Du sollst nicht“ ist ja ein Verbot, ein verneinter Imperativ im deutschen.
    -Die Hebräer hatten zwar auch nen Imperativ,
    -aber es war (grammatisch) nicht möglich, diesen in verneinter Form zu haben…
    -dennoch kannten auch die Leute damals schon Verbote
    -sie wussten auch, wie sie ein Verbot grammatisch ausdrücken..
    -dafür gibt es ne spezielle Form.. die eindeutig ist.
    -genau diese Form haben wir in den „zehn Geboten“ vorliegen

    Ergo:
    nix mit „du wirst nicht“!
    Es heißt in korrekter deutscher Übersetzung „Du sollst nicht…!“

    ..zumindest an diesen stellen..

    man darf halt nicht den fehler machen, einer anderen Sprache die Interpretationen (Syntax) der deutschen Grammatik aufzuerlegen..

    jeder Sprache hat ihre eigene Syntax.

    ——
    der Neue Bund ist anders..
    ..das sagt die Bibel selbst..
    kein steinernes Herz mehr, sondern ein fleischernes (Ez 11,19) und ähnliche Stellen..
    Gott gibt uns seine Gebote ins Herz rein.. durch den HG.. und nichht auf Steintafeln.. (wo stand das nochma? Römerbrief?)
    na ja.. irgendwie so..

  3. wobei die zitierten gebote im nt ja auch im futur stehen und im griechischen gäbe es einen entsprechenden imperativ.
    ich bin da recht unsicher. nicht nur halb-hebräisch-könner legen das so aus, auch einige, die es richtig können. wobei ich den kommentar noch nicht ganz verstehe. findest du die auslegung von johannes 14 auf gleicher ebene falsch?

  4. nein.

    nun ja.. es ist nicht einfach…

    das sagt die „griechische Grammatik zum Neuen Testament. (Ernst G. Hoffmann/Heinrich v. Siebenthal; Immanuel Verlag Riehen/Schweiz. 1990)“:
    (ich zitiere sinngemäß/auszugsweise.. is ja auch ’n weblog und keine wissenschaftl. Arbeit)
    §202 Der Indikativ des Futurs (S.333)
    Es ist die einzige griech. Indikativform, in der die Zeitstufe, niciht aber der Aspekt ausgedrückt wird. Vollendete und andauernde Handlungen werden nicht unterschieden.
    1.) Futur als Ausdruck reiner Zukunft (bsp. f. andauernd Mt 16,18; Bsp. f. punktuell 1.Kor 15,51.52)
    2.) Der Ind.Fut. kann im griech. auch das Wollen und Sollen ausdrücken ..also modaler meist voluntativer Sinn..wobei Grenzen fließend sind..
    (vgl. das Umgekehrte in manchen Sprachen, wo Ausdrücke des Wollens und Sollens das Futur umschreiben z.B. engl. will/shall)
    Der modale Gebrauch des hebr. und aram. „Futurs“/“Imperfekts“ im Sinne von „wollen, sollen, müssen, dürfen, mögen, können“ hat im ntl. Griech. die modale Verwendung des Ind.Fut. (sollen u. wollen) begünstigt und etwas erweitert, so dass das Futur nicht nur Wollen und Sollen, sondern nicht selten auch ein Können und Müssen bzw. Dürfen ausdrücken konnte.
    a) Wollen:
    1Kor14,15 (ich will beten)
    Jak 4,13 Heute oder morgen wollen wir in die und die Stadt reisen und dort ein Jahr zubringen, Handel teriben und Gewinn machen
    b) Sollen
    Joh 6,68 Herr, zu wem sollten wir gehen?
    c) Können:
    Mt 7,4 „wie kannst du .. sagen..?“
    d) IM SINNE EINES IMPERATIVS (statt Imp. oder Konj.)
    Meist in ZITATEN AUS DEM GESETZ DES AT zum Ausdruck STRIKTER GEBOTE UND VERBOTE (mit „ou“) und dann ähnlich im NT in Anlehnung daran.
    Mt 19,18.19 (!) Du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht falsches Zeugnis reden und sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
    Mt 5,48 (darum sollt ihr vollkommen sein)
    Mt 6,5 (Ihr sollt nicht sein wie die Heuchler)
    Mt 23,11 (Der Größte von euch soll euer Diener sein)

    –ende—
    Na?

    Nun müsste ich noch kucken, was der Hoffmann/Siebentzhal zu „ean“ schreibt.. ich hab aber keine Zeit mehr..
    ..mach ich aber nachher noch vielleicht..

  5. das kling interessant. aber ich denke, da die elberfelder das so übersetzt wird es zumindest korrekt sein. das ist ja keine aussenseiterübersetzung, die ich mir ausgedacht habe sondern eine renommierte deutsche übersetzung. da kann ich mir dann auch nihct vorstellen, dass sie es vom leser erwarten die grammatischen formen des deutschen mit griechischem hintergrund zu verstehen.

    aber noch mal zu den geboten: ich habe da mal in einer bibelgriechischen mailingliste drüber diskutiert. da waren auch viele professoren usw. also echte kenner der grundsprachen. und das durchgehende argument war dies: ob das futur als reines futur oder imperativ verstanden wird hängt davon ab, wer es sagt. wenn dein chef sagt: „du wirst den hof fegen!“ ist es ein befehl. wenn es ein prophet sagt ist es eine reine feststellung von etwas, das in der zukunft liegt.
    so betrachtet ist es eine theologische frage, wie man die grammatik der gbeote auffasst und keine philologische. und dann ist die auslegung als verheissung korrekt.

    interessanterweise übersetzt walter jens in seinen evangelienübersetzungen (sehr empfehlenswert!) die gebotszitate auch als futur.

  6. hmm.. elberfelder:
    „da kann ich mir dann auch nihct vorstellen, dass sie es vom leser erwarten die grammatischen formen des deutschen mit griechischem hintergrund zu verstehen.“
    IMHO tut sie genau das NICHT.
    Die Elberfelder übersetzt fast strikt wort-für-wort, da sie ja „möglichst nahe am Text“ bleiben will…
    Deshalb liegt die exegetische Arbeit beim Leser
    Und deshalb mag ich die Elberfelder nicht – außer, wenn ich was vorbereiten muss.
    Ich bevorzuge dann lieber solche als „ungenau“ verschrienen Übersetzungen wie Gute Nachricht oder Hoffnung für Alle oder NGÜ..
    die nehmen dem Leser die exegetische Arbeit ein wenig ab.. da braucht man kein griechisch-Wissen.

    Zu den 10 geboten:
    mir ist keine einzige Übersetzung bekannt, die die hebräischen Stellen im AT mit „du wirst nicht…“ übersetzen .. nicht mal die, die sonst wörtlich übersetzen.. Ausnahme hierbei ist die LXX (wie es in der Vulgata steht, müsst ich allerdings noch ma kucken)..aber das war auch ne andere Zeit damals.. und die LXX-Leser waren zumeist Orientalen..

    So, nun zu „ean“ (sorry.. zu faul zu kucken, wie das mit den griechischen fonts bei der Eingabe funzt..)
    Ean leitet einen Konditionalsatz ein.
    Davon gibts im Griechischen 4 ziemlich gut definierte Typen.
    (jetzt wieder aus Hoffmann/Siebenthal)
    a)
    „indefinit“, d.h. Verhältnis des Gesagten zur Wirklichkeit ist unbestimmt.
    wird eingeleitet mit „ei“ + Indikativ
    b) Prospektiv oder „Eventualis“.
    Das ist der „Normalfall“. Protasis bezeichnet etwas, womit man rechnen kann oder muss.
    wird eingeleitet mit
    „ean“ + Konjunktiv.
    hier wird nochmals unterschieden zwischen speziell-prospektiv und generell-prosektiv.
    Die Abgrenzung ist nicht ganz mechanisch-eindeutig!
    ean + Konj + meist futurischer ausdruck = speziell-prospektiv (bezeichnet speziell etwas zukünftiges, mit dem man rechnen kann/muss)
    (genau diesen Fall hätten wir hier in Joh 14,15)
    (bsp. „wenn du dies tust/tun wirst, dann…)
    ean + konj + präsentischer oder zeitloser ausdruck = generell prospektiv (bezeichnet generell etwas allgemeingültiges, mit dem man rechnen kann/muss)
    (bsp.: Immer wenn jemand dies tut, dann..)
    desweiteren gibts noch:
    c) potentialer Fall/“Potentialis“:
    d.h. möglich oder zumindest denkbar, aber nicht in Beziehung zur Wirklichkeit gesetzt..Schlußfolgerung wird als bloße Möglichkeit hingestellt.
    wird gebildet mit „ei“+Optativ
    Bsp.: „Falls du dies tätest…“

    d) irrealer Fall/ „Irrealis“
    Inhalt ist „unwirlich“
    Bildung mit „ei“ + Augmenttempus (k.A. was das gleich nochma war..;-) )
    Bsp.: „wenn du dies getan hättest, dann..“

    ——-
    mein Fazit:
    vielleicht kann man duie Stelle so verstehen:
    Beides „schwingt mit“..
    Wenn ihr mich liebt, dann
    -werdet ihr meine Gebote halten
    und
    -sollt ihr meine gebote halten.

    Illustration:
    wenn ich meine Freundin wirklich liebe,
    dann werde und soll ich ihr treu sein.

    —–
    Ich wäre FÜR ein neues JF-Theologieforum, aber nicht auf jesusfreaks.de .. sondern irgendwo anders.. wo weniger trolls sind..
    wo man wirklich sachlich und sauber diskutieren kann, auch (und vor allem) kontroverse Themen..
    mal sehen.. vielleicht leg ich selber mal eins an.. aber das ist eher unwahrscheinlich.. zu wenig web-kenntnisse.. und mein hoster unterstützt in jenem Paket, das ich habe, kein php.

  7. PS.: ich mag solche exegetischen Diskussionen..

    aber am liebsten mit Leuten, die ich kenne,
    und nicht mit irgendwelchen wildfremden..
    deshalb wäre ich für ein exegetisches JF-Theologie-Forum..
    ..wäre ja auch ne Hilfe für Leiter&prediger und Klein-Erna.
    und es wäre ne gute „Irrlehre“-Prävention..
    die beste Prävention ist ja, eine „saubere“ Lehre zu haben, d.h. Leutehn zu erklären, wie sie FUNDIERT ihre eigenen theologischen Meinungen finden..
    ..d.h. gute Ausblidung..

    ..damit nicht die Leute „umhergetrieben werden von einem jeden Wind der Lehre“..

  8. ad hebräisch; hat mir ein alter theologe mal gesagt: das wörtliche „du wirst nicht“ hat vielmehr die betonung von „es ist undenkbar, dass du … wirst“.

    ansonsten kann ich micha nur unterstützen – es wird viel zu oft die sprache 1:1 übersetzt, und der gesamte kulturelle kontext missachtet; mit dem ergebnis, dass leute die schrägsten theologien aus einzelnen sätzen ableiten….

  9. das ist mal wieder eine interessante diskussion. ich mag das auch.
    das beides mitschwingt kann ich mir gut vorstellen, da kann ich mit leben. das wäre mal wieder typisch gott. es scheint so, als könnte man ihn oft „so oder so“ verstehen, je nachdem wie man ihn kennt.
    theologisch halte ich aber die aussage: „wenn ich jesus liebe schützt mich das vor sünde; deshalb ist es mein hauptziel, ihn zu lieben“ für absolut richtig. von daher bleibe ich eher bei dieser auslegung.

    es ist sehr interessant, was hier an fundierter elberfelder-kritik rüberkommt. das grundtextnähe ein nachteil sein kann, wenn die philosophien der grund- und der zielsprache auseinandergehen hat scheinbar noch keiner gemerkt. aber das würde ja die meisten bibeltreuen leser der elbi auf exegetische abwege bringen. die frage ist so interessant, dass man sie mal gesondert posten und in den kommentaren stellen sammeln sollte.
    vielleicht ein thema für das bifo/forum….

    aber mir macht es mehr spass, ueber blogs zu diskutieren als ueber forum. sapperlot, die tastatur steht auf einmal auf englisch. aber nur hier in diesem kommentar. computer….
    vielleicht kann man mal blogs entsprechend verlinken und mit trackbacks arbeiten. die kommentare in diesem blog sind auch ueber rss
    abonnierbar.

  10. Ist jetzt kein Beitrag zu eurer exegetischen Diskussion, aber…

    ich wollte mal sagen das es sehr nahrhaft 🙂 ist deinen Blog zu lesen

  11. hallo debora,

    willkommen in meinen kommentaren! und danke für die ermutigenden wort. das ist eigentlich auch eines der ziele dieses blogs.

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