Gottes liebes Volk lag misshandelt am Boden, und die Schuld daran traf die, die an ihm Dienst versehen sollten. Nicht die Römer hatten das angerichtet, sondern der Missbrauch des Wortes durch die berufenen Diener am Wort. Es waren keine Hirten mehr da! (Seite 194)

So steht es über die Ernte (Matthäus 9,35-38) in Bonhoeffers Nachfolge. In der Zeit in der diese Zeilen geschrieben wurden, waren sie fundamentale Kirchenkritik. Wie hätte Bonhoeffer sie anders meinen können als in Bezug auf den desolaten Zustand der Kirche im Aufschwung des dritten Reiches? Wieder lag Gottes Volk misshandelt am Boden und Schuld trugen die Pastoren und Bischöfe.
Die Bibel kann das spannendste Buch der Welt sein wenn man in ihr die eigene Geschichte entdeckt. Sie kann den Spiegel vorhalten in dem man seine eigene Zeit sieht und gerade so das Herz und den Willen Gottes für die eigene Situation zeigt.
Die ganze Nachfolge zeigt die Erschütterung Bonhoeffers über den Zustand der Kirche. Es ist eine Erschütterung die erst sichtbar wird, wenn man den Ist-Zustand gegen den Soll-Zustand hält den die Bibel zeigt. So sieht man, wie weit die Kirche sich von dem Rahmen entfernt hat, den ihr Gott gesetzt hat. Bibellese funktioniert auch heute noch so. Der Heilige Geist trifft uns durch Gottes Wort gerade da ins Mark wo wir uns und unsere Zeit in der Bibel wiederfinden und Gottes Herzschlag hören, der uns zurück in seinen Willen bringen will.

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5 Kommentare

  1. „Gottes liebes Volk lag misshandelt am Boden, und die Schuld daran traf die, die an ihm Dienst versehen sollten. Nicht die Römer hatten das angerichtet, sondern der Missbrauch des Wortes durch die berufenen Diener am Wort. Es waren keine Hirten mehr da!“

    Das passiert leider immer noch und überall. Man kann mit dem Wort Gottes Gewalt und Schrecken verbreiten und einimpfen, wenn man es nicht in Liebe liest uns auslegt.
    Genau deswegen lese ich so gerne deinen Blog. Deine Auslegungen und Weisungen sind Balsam für die Seele und trotzdem klar. Danke!

  2. Das ist ein Kompliment, das mich sehr freut. Danke, Miriam!

  3. Deswegen hat Luther übrigens auch die Formel „Tua res agitur“ geprägt (Hier wird dein Fall verhandelt). Das steht über jeder Geschichte der Bibel mit unsichtbaren Lettern, hier geht es um mich, das ist meine Geschichte.

    In dem Zusammenhang finde ich die Bernwardstür in Hildesheim interessant: Auf der linken Seite sind Szenen aus dem ersten Buch Mose abgebildet, auf der rechten Seite Szenen aus dem Leben Jesu. Auf der linken Seite geht es mit dem Menschen bergab, auf der rechten Seite geht es mit Jesus bergauf. Der Schöpfung steht die Auferstehung gegenüber, dem Sündenfall die Kreuzigung Jesu.

    Aber das Wichtigste ist: Die Menschen gingen durch diese Tür in den Gottesdienst (zumindest an hohen Festtagen). Das hat eine starke Symbolik, die sagt: Durch die Geschichte der Bibel ziehst Du in die Gemeinde ein. Du mußt durch die Bibel hindurch.

    Das ist Kunst, mit der man was anfangen kann. Bonhoeffer hat in einem Brief geschrieben, diese Tür hätte sein Bibelverständnis verändert.

  4. Das ist ja interessant. Ich setze mal einen Link zur Bernwandstür bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Bernwardstür
    Mich selbst spricht Kunst oft wenig an, was mich eigentlich wundert, denn bei Musik ist das anders. Aber sollte ich mal in Hildesheim sein schaue ich mir die Tür an.

  5. Ja, die alten Kirchen erzählen manchmal Geschichten. Man muss nur ein bißchen üben, sie zu verstehen. Nicht alle Geschichten sind so gut erzählt wie bei Bernward. Aber
    im Prinzip schreien bei uns in Europa die Steine.(Lukas 19, 40)

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