in der mathematik (und vermutlich in jeder wissenschaft) gibt es unbeweisbare grundannahmen, die man braucht um überhaupt arbeiten zu können. diese grundannahmen heissen axiome (grch.“forderung, geltung) und stellen die basis dar auf der man mathematik betreiben kann. axiome sind sozusagen grundsätzliche definitionen aus denen sich alles andere ableitet.

das gleiche gilt für die theologie. hier sind die axiome grundwahrheiten von denen aus sich der glaube erschliesst. diese grundwahrheiten können nur angenommen, nicht bewiesen werden. von diesen grundwahrheiten ausgehend können aber dann andere glaubenssätze bewiesen werden. ein biblisches beispiel dafür finden wir in apostelgeschichte 18,28, wo es über apollos heisst: „Denn mit Nachdruck widerlegte er die Juden, indem er öffentlich aus der Schrift nachwies, daß Jesus der Messias sei.“
um den juden etwas aus der schrift beweisen zu können mussten diese erst einmal an die schrift glauben. einem heiden hätte er nichts aus der schrift beweisen können, denn den hätte die schrift nicht interessiert. dass aber dieschrift gottes wort ist, ist unbeweisbar. man muss daran glauben, aber niemand kann schlüssig beweisen, dass die bibel gottes wort ist. es ist noch nicht einmal theoretisch möglich das zu beweisen, denn alle indizien, die darauf hinweisen, dass die bibel gottes wort ist, kommen aus der bibel selber, sind selbstzeugnisse und damit für logische schlüsse ungeeignet. die aussage der bibel über sich selbst: „ich bin gottes wort“ kann man annehmen und glauben oder eben nicht. beweisbar ist diese aussage jedenfalls nicht.
um nicht falsch verstanden zu werden: es gibt vieles, was den anspruch der bibel, gottes wort zu sein, plausibel macht und insgesamt ist die bibelgläubige position hervorragend argumentierbar. erfüllt prophezeiungen, nachprüfbare aussagen, eine lückenlose überlieferungsgeschichte, zeugnisse der wirksamnkeit usw. lassen es höchstwahrscheinlich erscheinen, dass wir es mit gottes wort zu tun haben, aber es ist immer noch eine glaubensfrage. man muss es einfach annehmen.

das ist das erste axiom, das die theologie aufstellt. davon, ob man dieses axiom glaubt oder nicht hängt alles ab, was weiter theologisch geschieht.
aber es gibt weitere theologische axiome, die den blickwinkel darstellen, aus dem wir die bibel verstehen. diese sind nicht so fundamental wie das erste, haben aber immer noch weitreichende konsequenzen. ich weiss nicht, wie viele es gibt, oder ob es überhaupt möglich ist, eine komplette liste vorzulegen.

ein wichtiges axion ist sicherlich die frage nach dem freien willen. ob der mensch einen freien willen hat oder nicht. beides ist aus der bibel argumentierbar. man kann biblisch nicht beweisen, was stimmt. luther und erasmus haben über die frage gestritten und danach ganze heerscharen von theologen. das problem besteht meiner meinung darin, dass versucht wurde, etwas aus der bibel zu beweisen, was tatsächlich eine perspektive auf die bibel ist.

je nachdem wie man sich entscheidet wird das gravierende auswirkungen darauf haben, wie man die bibel liest, das evangelium, die beziehung gottes und der menschen usw. versteht.

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[neu veröffentlicht am 13.09.06 auf hasos blog]

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5 Kommentare

  1. Hallo Storch,

    guter Post über Axiome. Frage mich gerade, von was du ausgehst, wenn du »Theologie« sagst. Denke, dass gerade in der universitären Theologie das Axiom, dass die Bibel Gottes Wort ist nicht ungeteilte Zustimmung findet.

    Fände es mal interessant, wenn man zusammenträgt, von welchen Axiomen wir ausgehen. Denke, es ist interessant, sich ehrlich mit seinen eigenen Grundentscheidungen auseinander zu setzen. Darüber hinaus, wäre es ja auch spannend zu sehen, welche Grundentscheidungen wer trifft – was vielleicht meine eigene Position hinterfragt… Was denkst du?

    Grüße aus KA

  2. hi depone,

    ich bin bisher immer von folgender arbeitsdefinition ausgegangen: „theologie ist gelebtes wissen von gott“. wichtig ist mir dabei, dass t. ein ziel hat: „göttliches leben“, also praktisch ist. ebenso wichtig ist mir aber, dass sie einen theorieanteil hat, in dem sinne, als ihre methoden geisteswissenschaftlicher natur sind. der theorieanteil ist das wissen. impliziert ist bibelgläubigkeit, weil unser wissen über gott (imho) auf dem fundament des wortes steht.

    jetzt hast du recht, wenn du sagts, dass diese definition nicht auf die universitätstheologie zutrifft. allerdings richte ich mich auch nicht an diese. ich gehe implizit (vielleicht sollte ich das mal explizit sagen?) davon aus, dass der motor der theologie der glaube ist. das einzige interesse eines theologen in meinem sinne ist es, gott kennenzulernen. daneben kann es natürlich auch sekundärinteressen geben, wie z.b. predigtdienst etc.

    die axiome, die andere finden interessieren mich sehr. was ich in meinem post noch nicht bedacht habe ist, dass je nach definition von theologie die axiome deutlich unterchiedlich ausfallen können. interessantes phänomen… wenn einer nicht an die bibel glaubt und damit mein grundlegendstes axiom wegfällt, was hat er dann für denkannahmen?

    es gibt immer denkannahmen. die ansicht, dass gott direkt durch einen prediger spricht ist logisch unzulässig. man kann nihct sagen, dass das wort gottes vollkommen für sich spricht und in einem ansatz keine menschliche interpretation enthalten ist.

  3. Hi Storch,

    sehr cooles Statement, das viel über deine Axiome verrät! Freut mich sehr das zu lesen. Ich glaube, dass ich ähnliche Ausgangspunkte habe und stelle gerade fest, dass die Axiome an sich sehr eng miteinander verbunden sind – ein Axiom bedingt ein anderes – wenn z.B. wegfällt, dass die Bibel Gottes Wort ist, steht in Frage, was sie dann ist – kann ich dann darin Aussagen über Gott und das Leben finden, die „bindend“ sind usw. Habe im Moment zu wenig Zeit um das zuende zu denken, melde mich aber wieder…

    Grüße und Segen

  4. hi [depone],

    hier ist eine weitere definition (vielleicht eher eine beschreibung), aus einem post, der noch nicht raus ist:

    „theologie hat einen auftrag: grundlagen dafür zu schaffen, dass gott den menschen gebracht wird. ebenso wie die ethik die reflexionstheorie der moral ist (luhmann), ist theologie die reflexionstheorie des glaubens. beide müssen praktische auswirkungen haben und dürfen nicht zum selbstzweck werden. glaube und moral können nicht theoretisch bleiben, sie erstehen erst in der praxis.“

  5. noch zwei zitate zur theologie, die mir recht hilfreich erscheinen:

    „nach (karl) barth stellt die theologie eine disziplin dar, der es aufgetragen ist, die treue der verkündigung der christlichen kirche zu ihrer grundlage in jesus christus, wie er uns in der bibel offenbart ist, zu bewahren.“ (nach A.E.McGrath: der weg der christlichen theologie, seite 122)

    gustave gutierrez: theologie ist eine „kritische reflexion der christlichen praxis im lichte des wortes gottes.“ (ebd. seite 132)

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  1. […] in einem der posts über metatheologie kam ein kleines gespräch mit [depone] auf, darüber, was theologie ist, bzw. von welcher theologiedefinition ich ausgehe. ich habe zuletzt mit einer an niklas luhmann[1] angelehnten definition geantwortet: “theologie ist die reflexionstheorie des glaubens”. ich bin immer noch sehr zufrieden mit dieser weiten definition. heute habe ich an einem seminar geschrieben und schrieb einen satz, über den ich später beim drüberlesen gestolpert bin: “Theologie bietet eine Perspektive auf das Wort Gottes.” […]

  2. […] Auftrag der Theologie Veröffentlicht in April 12, 2008 von storch In einem der posts über metatheologie kam ein kleines gespräch mit [depone] auf, darüber, was theologie ist, bzw. […]

  3. […] [Originalpost vom 05.09.05] […]

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